Ist der Numerus Clausus nicht längst überholt?

03.12.2017

 

 

Die Berufs- und Studienwahl, sollte jeder Einzelne selbst entscheiden dürfen. Diese Freiheit ist in unserem Grundgesetz tief verankert. Die einzige Hürde auf dem Weg in die Karriere ist der Numerus Clausus. Einst galt das Auswahlverfahren nach Notendurchschnitt noch als Wegweiser für alle die, die sich mit dem Studium schwergetan hätten. Heutzutage hingegen versperrt es vielen Schulabsolventen die Türen zu ihrem Traumberuf. Bestes Beispiel ist das Medizinstudium, welches nach wie vor zu den begehrtesten Studienfächern zählt. Ohne Bestnoten bleiben die Türen verschlossen. Da fragt man sich doch, ob ein hervorragendes Abitur aus einem auch gleich einen guten Mediziner macht.

 

Ein langer Weg bis zum Ziel

Jedes Jahr werden rund 60 Prozent der Studienplätze in den Fächern Medizin und Zahnmedizin an Bewerber mit sehr gutem Notendurchschnitt vergeben. Nur wer den geforderten NC überbietet, kann hier mithalten. Weitere 20 Prozent der Plätze werden über den NC vermittelt. Für alle übrigen bleibt nur noch der sogenannte Medizinertest, welcher jedoch nicht überall anerkennt wird. Wer sich nicht für einen Studienplatz qualifizieren konnte, landet auf der Warteliste. Aus Statistiken geht hervor, dass rund 20 Prozent der Studienanwärter bis zu 14 Semester überbrücken, ehe sie letztlich zugelassen werden. So viel Durchhaltevermögen bringen nicht sehr viele mit. Die Frage, wie es nach einem solchen Zeitraum um die Studierfähigkeit der Bewerber steht, sei dahingestellt.

 

Bequem und einfach

Viele Universitäten sind maßgeblich überfordert. Auf jährlich 11.000 Studienplätze an medizinischen Fakultäten, bewerben sich rund 50.000 Anwärter. Daher wird auch der NC als einzig maßgebendes Instrument verteidigt. Die individuelle Überprüfung jedes einzelnen Bewerbers sei unmöglich. Die Auswahl nach Notendurchschnitt bietet daher eine einfache und bequeme Lösung. Aus vielen Reihen gibt es aber auch Gegenstimmen, die Bund und Ländern vorwerfen, sich bei der Auswahl zu sehr auf die Note zu beschränken. Jedes Bundesland stellt zudem seine Abiturienten vor ganz unterschiedliche Voraussetzungen. So geht auch hervor, dass ein herausragendes Abiturzeugnis in Niedersachen viel schwieriger zu erreichen ist als beispielsweise in Thüringen.

 

Österreich ein Vorbild

Für einige Studierwillige führt der Weg mittlerweile nach Österreich. Dort gibt es keine Aufnahmeverfahren nach deutschem Prinzip, jedoch sind die Anforderungen sehr hoch. In den ersten Semestern wird ausgesiebt – wer nicht ausreichend lernt, der scheitert. Häufig können Studierende mit diesem Scheitern eher umgehen, als mit der Ablehnung, welche Ihnen in den Universitäten hierzulande begegnet wird. Fakt ist, dass Deutschland Ärzte brauch, die in Theorie und Praxis überzeugen. Eine Abiturnote sagt noch lange nichts über die fachliche Qualifikation einer Person aus. Am 04. Oktober diesen Jahres begannen die Verhandlungen über den Numerus Clausus im Bundesverfassungsgericht, worüber es nach wie vor noch keine weiteren Informationen gibt. Wir warten weiterhin gespannt auf das Ergebnis.